Jun 042012
 

Am Sonntag 6:30 ging es mit mir (also allein 😉 ) zum Berg Geumo, Geumosan. Die Region gehört nur zur Kategorie provincial park, aber wie sich später herausstellte, bedeutet das noch lange nichts. Ich wählte jene Region, da man dort einfach mit dem Zug hinkommt (40 min). d7k_4677 Man kann zwar alles per Bus bereisen, aber das dauert dann doch wesentlich länger, je weiter man weg will. Und 3 Stunden Hinfahrt bzw. nach 9 Stunden Wanderung eine dreistündige Rückfahrt will ich dann doch nicht haben.

Am Fuße des Berges angekommen (letztes Foto), „wanderte“ ich erstmal durch 3 voneinander entfernte Großraumparkplätze und etliche „Willkommensschilder“, bis es dann endlich mit der Masse bergauf ging. Gleich zu Beginn gab es einige Tempel sowie ein großes Tor. Wer nicht laufen kann oder will, kann auch die knapp 1000 Meter per Seilbahn absolvieren.

Entlang des Tores zieht sich die Festungsanlage. Man kann in der gesamten Bergregion immer wieder Mauern und kleine Aufwallungen ausfindig machen, die meistens nicht offiziell zugänglich sind. Das hat mich dann umso mehr gereizt. Gelohnt hat es sich auf jedenfall, denn ich habe unterwegs zwei raufende Streifenhörnchen gesehen! Die waren jedoch schneller als meine Belichtungszeit und somit werden sie nur in Erinnerung bleiben.

Anschließend kehrte ich wieder auf die offiziellen Pfade zurück und besuchte einige Tempel. Der spektakuläre Weg führte zu einer kleinen Höhle, wobei im Inneren Kerzen brannten und auch hier Buddhafiguren zu sehen waren. Achja, und Weihrauchkerzen nicht zu vergessen. Da es zur Zeit sehr trocken in Korea ist, wundert es nicht, dass der nachfolgende Wasserfall eher einer Aneinanderreihung von Wassertropfen glich. Ist aber mit 27 m recht hoch und in der Regenzeit sicherlich ein Highlight.

Die Wege wechselten sich zwischen elendlangen Stufen und richtigen Naturwegen ab, wobei ich doch eher letzteres bevorzuge (steigt mal bei 28°C ohne Wind 1 Stunde lang mit knapp 10 kg Gepäck Treppen aufwärts, da keuche selbst ich wie Hund, der jeden Tag mehrmals die Treppen im Apartment zur neunten Etage nimmt). An einem kleinen Seitenpfad gab es einen Felsvorsprung mit Gänsehaut verdächtiger Aussicht. Zumal das Wetter auch perfekt war, lediglich die Sicht war nicht ganz optimal. Da Fotos nicht die Tiefenwirkung rüberbringen, hier mal noch ein Video.

Zurück auf die Schotterpiste, jetzt wird’s etwas steinig. Wege, Wegweiser, Pyramiden, Buddhafiguren. In einem Fels (vorletztes Foto) erkenne ich einen Schädel, was sagt eure Fantasie?

Nebenbei bemerkt und dennoch ein riesen Ding für mich: Neben Streifenhörnchen habe ich auch noch allerhand andere Tiere, v.a. Insekten gesehen. Vor allem schwarze Schmetterlinge mit einigen wenigen orangenen Punkten. Zudem weiße Schmetterlinge und gar leuchtend blaue wie aus Schmetterlingsgärten. Nur letztere waren ständig am Flattern oder klappten einfach zu, wenn ich ankam. Ameisen in Korea sind generell riesig, solche habe ich bisher nicht gesehen. Diese Riesen sind Sologänger und erkunden recht langsam ihre Umgebung. Gebissen hat mich von denen noch keine, dafür die kleineren Varianten. Apropos Beißen: Meine 8 Mückenstiche habe ich mir erst am Bahnhof geholt, als ich auf den Zug gewartet habe und nicht, wie man denken könnte, im Gestrüpp. Besonders stolz bin ich auf den Marienkäfer, denn Vergleiche mit deutschen Marienkäfer zeigen, dass dieser scheinbar nicht bei uns in Deutschland beheimatet ist. Die Schwammspinnerraupen gab es in sehr großer Zahl, sodass man schon von einer Plage sprechen kann. Die lagen teilweise zu Hauf auf Wegen herum.

Gemäß dem Animationsfilm, ging es anschließend ab durch die Hecke. Und zwar dachte ich, da sei ein Pfad, gehste da mal lang. Als ich dann bis zur Kniescheibe im Laub steckte und der Weg so dermaßen Steil nach oben ging, meinte ich, einen doch nicht ganz offiziellen Pfad gegangen zu sein. Man könnte auch meinen, das war gar kein Pfad. Der Aufstieg war äußerst anstrengend, da weiches Laub und darunterliegende Steine keinen allzu guten Grip gaben, aber der Fall war ja weich 😉 . Nichtsahnend ging ich immer weiter nach oben, bis ich wieder auf einige Befestigungsanlagen aus anno dazumal stoß. Oben angekommen hatte ich einen Felsvorsprung ganz für mich allein und konnte die bis dato beste Aussicht genießen. Außerdem fand ich eine Art Tonscherbe (sieht jedenfalls danach aus), den besagten Marienkäfer, die gestreifte Raupe und eine Fülle an Schwebfliegen, die in Summe ein richtig lautes Konzert gaben. Und, verrückterweise, immer genau dort Ameisen, wo ich gerade stand. Klingt wie Jungle? Hier ein kleines Video.

Wieder auf einem zivilisierten Pfad angekommen, konnte ich die „offizielle“ Aussicht genießen, welche aufgrund der veränderten Himmelsrichtung auch nicht übel war. Dort boten mir zum ersten Mal einige Koreaner Melone an. Die typisch koreanische Melone ist gelb und klein und als eine Art Honigmelone zu beschreiben. Einige Meter entfernt gab es eine große betonierte Fläche: Ein ehemaliger Hubschrauberlandeplatz! Echt irre Atmospähre, wenn man hoch oben auf einmal so etwas entdeckt. Am höchsten Punkt angekommen, gab’s einen Höhenstein, eine Sendemastanlage und Null Aussicht. Das war der offizielle Weg. Weiter ging es durch eine Toranlage zu einer weitaus besseren Aussicht.

Dort ließ ich mich von einem englisch sprechenden Koreaner fotografieren, der demnächst als Englischlehrer in England arbeiten will. Mein Grinsen kam durch die Überforderung jenen Koreaners mit meiner Kamera zustande (so viele Knöpfe!). Der alleinstehende Pavillon war leider nicht zu betreten, dafür war dieser hervorragend für die landschaftliche Kulisse geeignet. Ich konnte mich nicht zwischen Hochformat (mit Brücke) und Querformat (mit oder ohne Brücke) entscheiden.

Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass die abgebildete Buddhafigur schon mal fotografiert wurde. Ja, ich kam an einem Kreuzungspunkt und entschied mich für die falsche Richtung. Dass das dennoch super war, erkennt man auf dem nächsten Foto: Eine Gruppe Koreaner lud mich zum Essen ein! In Reiseführern habe ich gelesen, dass Koreaner a) immer in Gruppen wandern und b) man als Ausländer gerne integriert wird. Davon hatte ich schon desöfteren mitbekommen, aber diese Gruppe hier war der Hammer. Allesamt Ex-Marinesoldaten der koreanischen Armee, nun organisiert als Wandergruppe mit wöchentlichen Wandertouren. Vielen von denen waren 60 Jahre alt, die meisten kannten Beckenbauer und Schumacher und konnten sowieso alle deutschen Automarken aufzählen. Neben Reiskuchen, verschiedene Kimchi, Weintrauben, Salat, Reis, Melone, Paprika, Oktopus bekam ich auch noch Makolli (Reiswein). Man kann ja nicht ablehnen, ist unhöflich 😉 . Da ich aber vorher schon 10 Liter geschwitzt habe, ging dieser richtig gut rein 😉 . Ganz besonders lustig war einer, der auch tatsächlich aussah wie ein alter Seefahrer, ganz korea-untypisch.

Angetüdelt ging es wesentlich einfacher über Stock und Stein und so manche Rutschpartie über nasses Laub auf Steinen honorierte ich eher mit einem Lachen, als mit einem „woaahh“. Ich trat damit auch schon meine Heimtour an, die mich nochmals über 2 Stunden kosten würde. Unterwegs zwischen Felsspalten und krummen Dingern (Nadelbäume) erspähte ich immer wieder wundervolle Ausblicke. Neben den Wanderpfaden gab es auch einige Abkürzungen, Schleichwege traue ich mich gar nicht zu sagen, die jedoch eine Ankunft erheblich verkürzen (oder aber auch stark verlängern) könnten. Zudem fand ich eine tosende Quelle rauschenden Wasserfalls. Okay, in Wahrheit war es ein Rinnsal, was wahrscheinlich bei leichtem Wind weg wäre. Dennoch bot es ausreichend Platz für unsere lieben Mücken. Aber wie gesagt, gestochen wurde ich auch hier nicht.

Unten angekommen gab’s dann noch einen obligatorischen Tempelbesuch, der sich sogar auszahlte. Denn dieses Mal war niemand anwesend, sodass ich auch mal ein Foto vom Inneren machen konnte. Dort stehen Fotos von Verstorbenen, daneben einige Güter, wahrscheinlich Lieblingssachen wie Schokolade, Plüschtiere, Blumen. Predigen werden über ein Mikrofon über die gesamte Anlage verlesen. Überall duftet es nach Räucherstäbchen und alles ist sehr farbenprächtig und mit vielen Figuren verziehrt. Dagegen wirken manche christlichen Kirchen wie Bahnhofshallen während der Bauzeit.

Auf dem Weg zurück in die Stadt kam ich an einem Zeltlager vorbei, wo etliche Menschen im fast nicht vorhandenen Fluss badeten, grillten, spielten, sich waschten. Gumi an sich sieht aus wie Daegu, Gyeongsan, Busan, wie jede koreanische Stadt. Man beachte die Apartments: Lotte Castle. Welch Traumschlösser! 😉 Lotte ist übrigens sowas wie Samsung, eine riesige Firma für Läden (wie Galeria), Getränke (wie Cola) und Restaurants.

Nach 9 Stunden reiner Wanderung, wartete ich dann nochmal 2,5 h auf den Zug, da alle Tickets ausgebucht waren. Das war aber nicht schlimm, denn so kam ich noch in Kontakt mit einigen Koreanern, die mich jedoch anhand meines Deutschland-Fußball-Fantrikots nicht erkannten. Sorry für den langen Text, aber der Tag war der Hammer!

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  3 Antworten zu “Geumosan in Gumi: Steil bergauf”

  1. HALLO TONY

    Schön von Dir zu hören oder zu lesen…
    menno das war ja wirklich viel Text….schön:-))
    Also die Bilder sind ja auch wieder der Traum und mal was für Dich…die einzelnen Tierchen…..
    da krabbelt es einem gleich….
    Aber toll einfach alles…. aber ich hätte das nicht gemacht…die Treppen…der Weg… HILFE!
    Dann machs gut…bis bald…
    Bleib gesund…
    liebe grüße Karina und Oli

  2. Das ist ja wieder eine super Reisebericht mit prachtvollen Fotos. Da warst du dann aber am Abend breit. Die Landschaft ist wirklich sehr schön. Hier haben wir Regen und 8°C.
    Bis dann, deine Eltern.

  3. Hey Tony!
    Ich hab mich schon gefragt, wann endlich mal ein paar Insektenfotos kommen! 😉
    Was ich in dem Bild mit dem Felsen sehe, kann ich dir nicht mehr sagen – jedenfalls nicht meine ganz eigene Interpretation. Du hättest nämlich nicht schreiben dürfen, dass du darin einen Schädel erkennst. Jetzt sehe ich auch einen, sogar in zwei Varianten. Der eine schaut nach rechts, der andere in die Kamera. Verrückt! 🙂
    Viele liebe Grüße
    Kathi