Sep 102012
 

d7k_8145 An jenem Montag wollte ich also wieder zurück zur großen Halbinsel reisen, aber die Reederei hat alle Fahrten gestrichen. Somit hatte ich die Gelegenheit, Ulleungdo etwas ausführlicher zu erkunden. Ich wechselte den Ort und übernachtete im Norden der Insel. Dort besuchte ich eine natürlich entstandene „Klimaanlage“, wanderte durch die einzig vorhandene Ebene auf jener Insel und besuchte ein idyllisch gelegenen, buddhistische Tempel. Und dann kam der Typhoon Bolaven.

In dem Dörfchen Cheonbu suchte ich eines der wenigen Übernachtungsmöglichkeiten auf. Dieses Mal mit größerem Zimmer und einer richtigen Badewanne sowie Waschbecken.

Über einen scheinbar äußerst selten genutzen Wanderweg ging ich eher zufällig zu einer Art Grotte, oder auch „natürlicher Klimaanlage“. Aus einem Felsspalt drang – dem ersten Anschein nach – Rauch aus, aber es war einfach bloß eiskalte Luft! Man konnte es keine halbe Minute davor aushalten, so kalt war es. Angeblich soll die Luft zwischen 0°C und 4°C kalt sein! Das ging recht schlecht zu fotografieren, dennoch wollte ich es euch gerne auf Fotos rüberbringen 😉 .

Weiter ging es ins Nari-Becken, der einzig flachen Ebene auf der gesamten Insel. Ringsherum wird diese von Bergen begrenzt und wird zur Zeit landwirtschaftlich genutzt. Für die Strom- und Telefonversorgung stehen überall, selbst mitten in den Bergen, vollgepackte Mastenanlagen.

So richtig spektakulär sahen die Sonnenuntergänge nie aus, aber an jenem Abend konnte ich mich doch über einen ganz netten freuen. Da es in diesem Dorf keine wirklichen Einkaufsmärkte gab und alle Restaurants noch teurer waren als sie es schon in Dodong waren, entschied ich mich, nur eine Nacht zu bleiben. Am nächsten Morgen schaute ich mir den direkt vor der Haustür gelegenen Seonginbong-Peak an, der mit seinen 450 m direkt am Meer steht. Unterwegs konnte ich dann endlich auch mal ein einigermaßen scharfes Foto von einem Streifenhörnchen schießen.

Direkt an diesem Peak liegt ein buddhistischer Tempel. Dort angekommen, fühlte ich mich wie an einem vollkommen anderen Ort. Die gepflegten Gärten, die riesigen Buddhastatuen, faszinierenden Tempelmalereien und die vollkommene Stille ließen mich dort eine gewisse Zeit verweilen.

Auf dem Weg zurück die steile Bergstraße hinab, sah es so aus, als ob das Meer schief stehen würde, ein wirklich unbeschreibliches Erlebnis. Baustellenschilder sehen in Korea übrigens immer total niedlich aus, mit kitschigen Cartoonfiguren. Weiter ging es auf der Küstenstraße entlang. Dort konnte ich mehrere Hangabrutsche ausmachen, einer muss erst recht frisch gewesen sein. Felsbrocken größer als der Bus auf jenem Bild brachen vom Berg ab und rollten direkt ins Meer. Mittlerweile zeigte der Typhoon auch hier seine Auswirkungen. Es wurde immer stürmischer und ab und zu regnete es auch. Am Himmel entstand ein riesiger dunkler Fleck. In Dodong peitschte die See im Hafen und überschwemmte alles darum liegende. Später werde ich noch einige Videos zeigen. Ich musste übrigens an jenem, als auch an allen anderen Tagen meine Wäsche per Hand waschen. Schließlich hatte ich für 2 Tage geplant (und nicht für 6).

Auch am nächsten Tag fuhr kein Schiff, da es noch sehr stürmisch war. Ich entschied mich deshalb, den höchsten Punkt der Insel zu besteigen: Seonginbong. Mit seinen knapp 990 m ist er doppelt so hoch als die meisten Berge, die ich sonst so in Korea bestieg.

Auf dem Weg zum Berg besuchte ich noch schnell eine Tempelanlage. Einige Zeit führten Betonstraßen den Weg hinauf. Diese waren jedoch so steil, dass man kaum vorwärts kam. Immerhin führte ein gerade einmal 4,2 km langer Wanderweg zum fast 1 km hohen Peak. Glücklicherweise gab es dann aber auch wieder normale Wanderwege, inmitten von Farnen bewachsener Wälder, alter Hängebrücken aus Metall und gegen Ende auch vollkommen vernebelte Wälder. Das war wie im Märchen. Die Sicht betrug keine 20 m, die Wolken hingen hier direkt im Berg, sodass auch ich komplett nass war. Der Wind pfeifte ordentlich um die Ohren, aber das war sehr erfrischend, nachdem der Aufstieg wieder bei extrem heißen Temperaturen began. Oben angekommen stürmte es kräftig, die Sicht war Null. Dennoch riss immer mal für wenige Sekunden die Wolkendecke auf und die Sonne strahlte die Berge an. Diese fantastische Aussicht konnte man aber wirklich nur sehr kurz genießen. Wieder größtenteils unten angekommen, erstrahlte Dodong im Sonnenlicht.

Die anderen Tage reiste ich ebenso um die Insel, konnte aber nicht viel machen, da es sehr oft regnete. Das eine Mal war ich joggen und wäre beinahe mit einem Reiher zusammengestoßen, der in einer engen Bergkurve sehr tief auf mich zuflog. Danach waren wir beide so geschockt, dass er weder wegflog, noch ich ein Foto machen konnte 😉 . In einem anderen Dörfchen leuchteten doppelte Regenbogen über dem Meer, während es hemmungslos regnete. Während meiner Strandung auf der Insel unterhielt ich mich mit einigen Koreanern, denen das gleiche Schicksal widerfuhr, oder die sogar Einheimische waren. Manche traf ich mehrmals wieder an unterschiedlichen Stellen zu unterschiedlichen Zeiten. Eine Frau war sogar bei der dort ansässigen Luftwaffe stationiert und läuft mehrmals im Monat den Seonginbong hoch, als Übung. Außerdem traf ich eine Dokumentarfotografin, die Berichte über Bienen von Ulleungdo machen wollte, sowie einem Entomologen (Insektenspezialisten). Viele jüngeren Leute (einer half mir beim Auffinden eines passenden Geldautomaten = ATM) waren mit ihren kompletten Familien hier um Urlaub zu machen.

Am Samstag legten endlich wieder Schiffe an und ich konnte mit voller Zuversicht noch einige Bilder vom jadefarbenem Wasser bei Sonnenschein machen. Mein Schiff (weiß, nicht auf dem Foto) fuhr dann 15:30 Uhr ab und ich kam dann kurz nach 19 Uhr in Pohang an, um dann mit dem Zug nach Daegu und von dort aus nach Gyeongsan zu fahren.

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  4 Antworten zu “[Ulleungdo] – auch ohne Sonne faszinierend”

  1. Wieder ein toller Reisebericht. Der natürliche Kühlschrank (Höhle) ist ja nicht schlecht. Was du da alles erlebst und siehst, wirst du wirklich dein Leben lang nicht vergessen.

    Liebe Grüße, deine Eltern !

  2. Hallo Tony…
    endlich mal wieder kann ich die tollen Berichte und wahnsinnigen Aufnahmen kommentieren.
    Wir waren mal 5 Tage an der Ostsee:-))
    Die Bilder sind ein Wahnsinn, das alles zu erleben ist schon mächtig!
    Bleib noch gesund und freuen uns auf weiteres!!!
    Sei lieb gegrüßt von Karina und Olli