Mai 242012
 

Ursprünglich bin ich ja nach Südkorea gekommen, um etwas praktische Erfahrung in einem Labor zu sammeln. Diese Erfahrung erweist sich mittlerweile nach knapp 8 Wochen als eine Nullnummer. Keine Arbeit, wenn Arbeit, dann kleine Kleckereien, mit denen ich mich nicht identifizieren kann, keine Kommunikation mit Professor (er spricht generell nicht viel) oder den Laborleuten (können kein Wort Englisch). Ich wasche sogar schon freiwillig ab und räume deren Müll weg, damit ich hier nicht verfette. Ich habe deshalb darüber nachgedacht, dass Labor zu wechseln. Da ich aber in einem Apartment wohne, was der Professor bezahlt, ist dies leichter als gesagt.

Ansonsten war ich letzte Woche auf Jeju (wie berichtet) und ging zum ersten Mal in eine Sauna, Jimjilbang genannt. Dort kann man neben saunen, auch in Dampfräumen ruhen, in anderen Räumen auf Matten schlafen, fernsehen oder sich mal wieder komplett „reene machen“. Da sieht man dann hier mal zwei Männer, die sich gegenseitig die Haut peelen oder andere, die gleich mal ne Komplettrasur durchführen. Und ja, die Saunen sind hier geschlechtsspezifisch. Prinzipiell empfand ich es interessant, aber unangenehm, da ich noch einen tierischsten Sonnenbrand hatte. img_2481 Außerdem ist es nach einer Weile echt langweilig, weil nur einige und ältere Koreaner anwesend waren. Und ich denke, saunen kann man im Winter am besten. Wir haben hier täglich Temperaturen zwischen 24-29°C, da brauchst keinen künstlichen Schwitzkasten 😉 .

Apropos Jeju: Dort kaufte ich mir Schokolade. Von Samsung! Während im europäischen Raum Kartelle zerschlagen werden, gibt’s hier noch eine für alle 😉 . Koreanische Schokolade schmeckt übrigens nicht. Außerdem gibt’s keine wirkliche Bitterschokolade. Und teuer ist’s nebenbei gesagt auch noch.

img_2450 Am Samstag ging’s ins Daegu Olympiastadium. Klingt großartig, sieht großartig aus und trägt auch ne großartige Story: Kein Schwein interessiert sich hier für Fußball. Nur einige Koreaner. So kam es, dass es erst das Stadium gab, bevor Daegu überhaupt eine Fußballmannschaft hatte. Woher die bloß das Geld haben? Jedenfalls traf ich bei einem der Englischclubs Lucas aus Brasilien, dessen Vater Trainer des FC Daegu ist und deshalb kostenlos ins Stadium kam. Dass das nicht ganz legal war (Aufseher: „Ich weiß, dass ihr keine Tickets habt, aber ist ok!“) war mir dann auch egal. Sieht jedenfalls schon komisch aus, wenn das Stadium vllt zu 1/90 belegt ist, während gerade ein „Erstligaspiel“ läuft. img_2453 Dort trafen wir dann auch noch „Amerikaner“, die sich dann als Engländer, Südafrikaner und Neuseeländer herausstellten 😉 .

Mein Wohnungsgenossse Kashif hat’s nicht so mit Hygiene, wie befürchtet. Er (31) hatte noch niemals in seinem Leben einen Wischmopp in der Hand gehabt. Umso lustiger wurde es dann, ihm zu erklären, dass man a) Lappen nass macht b) Lappen auswringt und c) wischende Bewegungen vollführt. Achja, und Lappen auswaschen nicht vergessen. Aber ich vermute, das macht der kein weiteres Mal in seinem Leben. Umso erstaunter war ich, dass unser Waschbecken immer mehr Sedimente ansetzte, bevor ich nach Jeju flog. Als ich wiederkam, selbe Situation. Zudem war unsere Mülltüte für Essensreste ausgelaufen, vor Jeju. Wie es nach Jeju aussah, muss ich nicht beschreiben. Mikrobiologen dürften ihren Spaß daran haben, ich nicht, denn es ist mein Apartment. Und so bin ich immer der Depp, der das komplette Apartment mit Ausnahme seines Zimmers reinigen darf. Würde er nicht 5 Mal am Tag beten, weiß Gott, er würde sich wohl nie waschen.

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Am Sonntag gab’s ein kulturelles Festival in Gyeongsan, bestehend aus Ess- und Trinkständen, also alles wie gewohnt. Außerdem gab’s ne Bühne mit manch Perfomance, u.a. auch traditionellen Tänzen mit traditionellen Instrumenten, was wirklich Gänsehautfeeling bescherte. Genau sowas hatte ich mir erhofft, bevor ich nach Korea kam.

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Da ich ja nun mittlerweile ein Fahrrad habe, konnte ich meine neue Heimat näher erkunden. „Hinter“ Gyeongsan liegen ein paar Ackerbau- und Viehzuchtbetriebe, Berge und die Brückenautobahn. Außerdem fließt hier ein wasserarmer Fluss, dessen Namen ich bis heute nicht herausgefunden habe. Zu gern würde ich mir Gyeongsan von oben anschauen, aber einen Pfad hinauf auf die Berge scheint es nicht zu geben.

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Offiziell wird Gyeongsan mit Wachstum beschrieben, was man auch überall sehen kann. Anders als in Deutschland, wird hier an jeder Ecke ein neues Apartment, bzw. eine ganze Apartmentsiedlung gebaut. Natürlich sehen die Häuser genauso aus wie mein Apartment. Interessant ist, dass es Infrastruktur, Spielplätze, öffentliche Sportgeräte, Parks etc. schon alles gibt, bevor die Apartments stehen. Weiterhin interessant: Baustellen sind hier hermetisch mit 3 Meter hohen Metallzäunen abgesichert, an denen öfters Lichtschläuche mit bunten Lichtern (Weihnachtsbaum!) hängen.

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Am Montag ging es mal wieder zusammen essen, dieses Mal gab’s Fleisch von der Kuh zum selbergrillen. Ich schätze hier die Qualität des Fleisches, sehr saftig, zart und fein geschnitten. Im Anschluss gab’s ein Reiserfrischungsgetränk, was ähnlich süß wie Cola ist. Apropos Cola, sieht auf koreanisch so aus (Fotos).

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  4 Antworten zu “Und sonst so?”

  1. Du lernst zwar viel von Land, Leuten und Gebräuchen kennen, aber das du nun beruflich dort nicht wirklich irgendwelche Erfahrungen sammeln kannst, ist ja wirklich schade. Aber ein anderes Labor finden, wo vielleicht auch ein Professor dir eine Wohnung zur Verfügung stellt, ist wahrscheinlich aussichtslos, schon wegen der Sprachbarrieren.
    Dein Mitbewohner wird sicherlich von Haus aus so etwas wie „Wohnung putzen“ überhaupt nicht kennen. Ich vermute mal, dass in seiner Heimat solche Aufgaben für einen Mann undenkbar sind, wofür gibt es denn Frauen.
    Weiterhin alles Gute, Deine Eltern.

    • Mittlerweile bin ich soweit, dass ich sogar zu jemanden ziehen könnte. Nur die Frage nach einem neuen Lab ist so ein Ding. Ich meine, Prof. hat ja viel für mich getan (Vortrag in Seoul, Essen, Wandern), aber ich kann leider absolut nichts tun.
      Das stimmt, mein Mitbewohner meinte sogar letztens zu mir, er zweifle an, dass unser Prof. eine Frau hat, weil er nichts zu Essen mitbekommt. In seinem Land sei es üblich, dass die Frauen dem arbeitendem Mann Essen mitgeben, wehe wenn nicht 😉 .

  2. Hi Tony…
    das ist ja auch blöd wegen Arbeit… aber warte mal… es ergibt sich bestimmt noch was..
    tja das mit dem sauber machen, das haste ja von zu Hause..:-))
    einer muss es ja machen:-))
    Viel Erfolg weiterhin und liebe Grüße
    Karina und Olli

    • Na ihrs,
      nee, warten kann ich nicht mehr, das ist mir zu blöd. Woche 8, und 1/3 Korea ist vorbei, da ist keine Zeit mehr für sinnloses Rumgesitze.
      Zu Hause habe ich wenigstens versucht meinen eigenen Dreck wegzumachen.